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Wolmirstedter Kanu-Verein e.V.

23. March 1954 | Volksstimme

Vom Ohrestrand und vom Kanal

„Na“, sagte ein älterer Mann zu mir, „jetzt könnt ihr aber wieder tüchtig paddeln“.

Ja paddeln! Konnte man in den langen Wintermonaten nur hin und wieder zum Bootshaus gehen, so war das heutige Wetter ganz ideal. Ich selbst versuche mich auch einmal wieder auf dieser Sportart. Es ging noch, aber wie, natürlich Muskelkater. Nach 1000 Metern war die Kraft alle, sie kam nach 4000 Metern wieder, aber auch nur spärlich.

Am Bootshaus verteilte dann unser Trainer auch gleich Verhaltensmaßregeln. „Du darfst natürlich nicht mehr rauchen“ sagte er zu mir, „und mit dem Alkohol , ich meine schädlich ist er auf alle Fälle“. Das sind nur einige Regeln von dem, was ein Sportler nicht darf, ich werde sie mir aufschreiben. „Das würde zuviel werden“ sagte Hans, „schreib nur auf was du darfst“. Ich tat es und ich schrieb nicht einmal die ganze Rückseite der Streichholzschachtel.

Wie mir geht es noch vielen Rennsportlern, alle dürfen gleichviel tun. Eine Ausnahme bildet natürlich der Trainer. Ach Sie kennen keinen Kanutrainer? Der Olle darf alles, er darf rauchen brüllen und Bier trinken darf er auch. Wir bekommen Limonade. Das sind eben die Vorzüge der Rennsportler. Da ziehe ich mir die Wanderfahrer vor, sie können sich vom Strom treiben lassen, im Boot lang machen und rauchen. Aber auch das ist mit Gefahr verbunden, denn es soll schon vorgekommen sein, daß ein Fahrer nicht rechtzeitig das Land erreicht hat. Aber wachsam sind unsere Wanderfahrer. Nur selten kommt ein Dampfer an ihnen vorbei, ohne das sie nicht anhängen.

Die schönste Gegend unserer DDR sind ihnen bekannt, von Bad Schandau bis Berlin. Gern plaudern sie auch von irgendwelchen Lagerfeuern um Mitternacht. Heute haben sie alles vergessen, sie wollen von der Ohre weg, weil sie ihren Kanusport, müßten sie bleiben, nur noch einige Wochen, vielleicht nur noch einige Tage ausüben können. Die Wasserverhältnisse zwingen sie zur Kapitulation. Doch bald wird der Umzug ins neue Bootshaus beginnen, bald wird der Kollege Bürgermeister die letzten Formalitäten erledigt haben, dann soll er sehen, die Kanuten halten Wort.

 

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