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Wolmirstedter Kanu-Verein e.V.

06. July 1953 | Volksstimme

Sport im Kreis Wolmirstedt

Absinken der Wolmirstedter Kanuten kann beseitigt werden.

Alle Wolmirstedter Wassersportfreunde sind sehr verwundert über die Tatsache, daß die Ohre seit Wochen einen Wasserstand wie nie zuvor führt. Die meisten Sportfreunde haben sich nicht mit der nackten Tatsache des Vorhandenseins des Wassers abgefunden, sondern verschiedentlich Überlegungen angestellt, woher diese Massen Feuchtigkeit kommen.

Auf einer sogenannten ,,Expeditionsfahrt“ haben wir ergründet, daß wohl die gewaltigen Regengüsse zur Erhöhung des Wasserstandes beitrugen, aber lediglich zu einem geringen Prozentsatz. Es ist vielmehr so, daß in der Ohre bei Meseberg ein neues Stauwehr gebaut wird und deshalb die bei Jersleben bisher angestauten Wassermassen freien Lauf haben müssen, um den Wasserstand bei Meseberg so niedrig wie möglich zu halten. Uns jedenfalls erfreut die Tatsache des Vorhandenseins von genügend Wasser, denn dadurch wird unser sehnlichster Wunsch, im Sommer die Ohre zu befahren, in Erfüllung gehen. 

Die Sektion Kanu der BSG ,,Einheit“ Wolmirstedt ist sozusagen der Träger der gesamten wassersportlichen Betätigung, innerhalb unserer Kreisstadt. Die Sportfreundinnen und Sportfreunde der Sektion Kanu sind einmal Wasserwanderfahrer, zum anderen sind sie aktive Rennsportler. Werfen wir einen Blick auf unsere Rennsportler. Die diesjährigen durchgeführten Kreismeisterschaften den Kanuten in Genthin waren ein Maßstab der Kampfstärke unserer Wassersportler. Sie legten Zeugnis ab von der im Frühjahr geleisteten Arbeit und begeisterten bzw. betrübten so manchen Anhänger des Kanurennsports. Betrachten wir uns die wassersportlichen Leistungen des Kreises Wolmirstedt.

Vorweg sei bemerkt, daß die Kanuten gesamte Kreismeisterschaften der Kreise Wolmirstedt, Burg, Genthin, Stendal und Havelberg in Genthin durchgeführt haben. Vertreten waren insgesamt 7 Sektionen aus 5 Kreisen. Betrachtet man die einzelnen Rennen, kann festgestellt werden, daß zum Teil sehr gute Zeiten gefahren wurden. So wurde beispielsweise der Sportfreund Willi Ernst von der BSG Traktor Rogätz Kreismeister im K I der Leistungsklasse III über 10 000 Meter In 62,58 Minuten gegenüber einer Vorjahresbestzeit von 68,05 Minuten. In der Klasse weibliche Jugend AK II über 500 Meter konnten die Sportfreundinnen Adam-Meienberg von der BSG Traktor Rogätz den Titel eines Jugendkreismeisters erringen. Sie benötigten für diese Strecke 2,56 Minuten.

Bei den Männern der Leistungsklasse III über 500 Meter im K 1 holte sich der Sportfreund Willi Güldenpfennig, ebenfalls von der BSG Traktor Rogätz, in der Zeit von 2.49,2 die Kreismeister wurde. Wir freuen uns ehrlich, daß unsere Rogätzer Sportfreunde für den Kreis Wolmirstedt in einigen Disziplinen noch den ,,Kreismeister gerettet haben.

Woran mag aber das Absinken der Leistungen unserer Wolmirstedter Kanuten gegenüber den Vorjahresleistungen liegen? Mit Schönfärberei können wir nichts erreichen, also heraus mit der Sprache. Es kommen hier meines Erachtens mehrere Punkte zusammen, die in Betracht gezogen werden müssen. 1. Das Training Es ist ernsthaft zu überlegen, ob die Trainingsmethode vollauf befriedigend ist, und weitere Schlüsse müssen für die kommende Arbeit gezogen werden. Die Art des Trainings ist genau zu studieren. Es müßte erreicht werden, ein breites, allgemeines Training durchzuführen. Ein nur Bootstraining dürfte nicht zweckmäßig sein. Beim Bootstraining wäre es erforderlich, die einzelnen Sportfreunde von der Notwendigkeit zu überzeugen, in ihren eigenen Booten zu trainieren, besonders auf der Ohre.

Wie günstig sich das Ohretraining auf Regatten auswirkt, haben wir an den Vorjahrserfolgen gesehen. Die zur Verfügung stehenden Rennboote sollten lediglich zur Ermittlung des Leistungsstandes der Sportfreunde — nach Zeit fahren — benutzt werden. Es müßte mit dem Brauch, daß nur im Rennboot trainiert werden kann, grundsätzlich gebrochen werden. Beim Training wäre weiter zu beachten, daß die festgesetzte Trainingszeit lediglich ein Minimaltraining darstellt, bei dem der Trainer anwesend ist.

Ausgiebige Wanderfahrten, auch in den Abendstunden, gehören zum Training, sie erhöhen die Schlagkraft und steigern das Tempo. Dabei ist grundsätzlich auf den ärztlichen Untersuchungsbefund zu achten. Sportfreundinnen und Sportfreunde, die vom Arzt wegen Irgendeines Leidens gesperrt sind, dürfen weder an Regatten noch am Training teilnehmen.

2. Überheblichkeit Es ist wiederholt festgestellt worden, daß Erfolge überheblich machen. So auch Erfolge auf sportlichem Gebiet. Gegen diese Überheblichkeit und Bequemlichkeit muß entschieden angekämpft werden. Sie gehören nicht zum sportlichen Verhalten.

3. Der feste Zusammenhalt innerhalb der Sektion Es ist nicht von der Hand zu weisen, daß mit dem ständigen Wachsen der Sektion Kanu der Zusammenhalt zwischen den Einzelnen Sportfreunden, anstatt mitzuwachsen, zurückgegangen ist. Worauf dieser erhebliche Fehler zurückzuführen ist, müßte einer eingehenden Untersuchung überlassen bleiben. Dieser Umstand trägt selbstverständlich zu den Mißerfolgen bei. Es wäre vor allen Dingen jedoch ein geordnetes Sektionsleben der Kanuten wiederherzustellen.

Von der Leitung der Sektion Kanu müssen diese angeführten Punkte genauestens beachtet und gründlich durchgesprochen werden. Es genügt nicht, mit Entschuldigungen aller Art aufzuwarten, auf diesen oder jenen Sportfreund zu schimpfen, es muß gehandelt. und zwar schnell und richtig gehandelt werden. Diese unerfreuliche Seite unserer Rennsportler wird aufgewogen durch die Leistungen unserer Wanderfahrer, die bis zu diesem Zeitpunkt etwa 3000 Kilometer Wasserwegstrecke bewältigt haben. Eine erfreuliche Tatsache, die uns zeigt, wie ernst die Sportfreunde daran arbeiten, die Bedingungen zum Erwerb des Wasserwanderfahrer-Abzeichens zu erfüllen. Sie sollte der Wasserwanderkommission beim Deutschen Sportausschuß einmal die Augen öffnen und sie daran erinnern, daß die Wasserwanderfahrer-Abzeichen für 1952 noch erwartet werden. Vielleicht sind dazu auch wiederum Sitzungen um Sitzungen nötig.

Die Sektion Kanu der BSG ,,Einheit“ Wolmirstedt hat sämtliche Sektionen der Republik aufgerufen, einen Werbewettbewerb für die eingestellte Zeitschrift „Der Wassersport“ zu entfalten und diesen Wettbewerb mit zwölf Neuanmeldungen eröffnet. Es wird von den einzelnen Bezirkswasserwander-Kommissionnen erwartet, daß sie, alles daransetzen, um eine breite Aufklärung unter den Sportfreunden zu entfalten, die das Neuerscheinen unserer Fachzeitschrift zum Ziele hat.

 

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