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Wolmirstedter Kanu-Verein e.V.

28. March 1953 | Volksstimme

Vom Leben und Treiben der Kanuten

Kanusport gibt Kraft für den Neuaufbau

In diesen Tagen feiert die Sektion Kanu der BSG-Einheit Wolmirstedt ihr dreijähriges Bestehen.

Wenige Sportfreunde taten sich zusammen und bildeten mit zwei Booten eine neue Sektion innerhalb unserer Betriebssportgemeinschaft. In den ersten Jahren des Bestehens nahmen die Sportfreunde der jüngsten Sektion bereits an verschiedenen Regatten der benachbarten Kanuten unseres damaligen Landes Sachsen-Anhalt teil. Waren die Erfolge im ersten Jahr auch spärlich, denn die süßesten Trauben hängen bekanntlich am höchsten, so konnte man bereits im darauffolgendem Jahr durch hartes Training beachtliche Erfolge erzielen.

Durch eine gute Unterstützung von seiten der Stadt wurde auch ein Bootshaus gemietet und durch unsere BSG ein DS Rennboot gekauft. Das Bootshaus waren Werkstatträume der ehemaligen Firma Schätzle, die heute durch unermüdliche Arbeit der Sportfreunde für die vorhandenen 30 Boote Unterkunft geworden sind.

Immer mehr Boote entstehen im Selbstbau, angeleitet und überwacht von erfahrenen Bootsbauern und Tischlern. Ein emsiges Werken herrscht in den ehemaligen Hallen und auf den Rasenplatz vor dem Bootshaus. Zu den Festen unserer Sektion dem An- und Abpaddeln, waren viele Einwohner Zeugen der geleisteten Arbeit. Sie freuen sich mit uns über die farbenprächtigen Boote wenn sie das Wasser durchschnitten, um durch kräftige Paddelschläge ihre Insassen den Zielen näher zubringen.

Heute am Tag des dreijährigen Bestehens dieser jungen Sektion, wollen wir von unserer Arbeit und Erfolgen berichten, wollen der Öffentlichkeit mitteilen, das uns Boot und Wasser einer Kraft geworden sind, aus der wir schöpfen um die großen Aufgaben zur Erfüllung unseres gigantischen Friedensplatzes bewältigen können.

Im vergangenen Jahr sind um einige Zahlen zu nennen, von den Sportfreunden insgesamt mehr als 10000 km zu Wasser gefahren worden. Die Sektion hat auf rennsportlichem Gebiet beachtliche Erfolge erzielt.

So fielen die Titel eines Kreis- und Gebietsmeisters des Jahres 1952 im Einer und Zweier der Leistungsklasse III , sowie im Einer der Jugend B an die BSG Einheit Wolmirstedt. An den Landesmeisterschaften in Halle/Saale nahmen drei Sportfreunde teil. Auf sämtlichen besuchten Regatten wurde sehr gut abgeschnitten.

Die Wandertätigkeit der Sportfreunde erschloß ihnen erstmalig die Schönheit ihrer engeren Heimat. Von Wolmirstedt bis Rogätz und zurück, was früher die Wassersportler ins staunen versetzte gehört heute fast zur Selbstverständlichkeit, denn nicht selten ist es vorgekommen, das an einem Tag diese Strecke zurückgelegt wurde. Besondere Schönheit hat die Ohre gerade auf dem unteren Lauf zu bieten.

Beachtet man diese Gegend einmal aus der Froschperspektive, dazu die vielen Schnörkel und Windungen des Ohrelaufes, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Besonderen Reiz übt eine Mondscheinfahrt auf der Ohre aus.

Eintöniger ist die entgegengesetzte Richtung mit ihren begradigten Ufern und den regulierten Bett, aber dort hat die Ohre Wasser, das unentbehrliche Element der Kanuten. Gern ich möchte sagen, der Not gehorchen, werden wir einer Regulierung des unteren Ohrelaufes zustimmen. Obwohl wir wissen das diese Begradigung auf Kosten der Schönheit unserer alten Ohre geht. Um das Wasser willen nehmen wir es in Kauf, um daß die herrlichen Zeltplätze verschwinden, die ungeahnt schöne Erinnerung vergangener und wiederkehrender Sommertage sind.

Welcher Außenstehende kann überhaupt ermessen, wie schön und abwechslungsreich ein richtiges Zeltleben ist, mit Wasser und Sonne knatterndem Benzinkocher und dazwischen der Duft von Rostwurst und zu dampfenden Bratkartoffeln.

Wenn sich der Abend über das Land senkt und der fahle Mond durch zerrissene Wolkenbänke scheint, wenn im Busch leise die Nachtigall anschlägt, um ihr immer kehrendes berauschendes Lied zu singen, dann ist es Kanuten Nachtruhe bewacht von der großen Natur, an deren Busen er ruht um neuen Mut für kommende Tage und Wochen zu sammeln.

Doch wenn wir erwachen und die Schritte zum Bootshaus lenken befällt uns eine große Sorge , die Wassernot. Im vergangenen Jahr bauten wir ein Wehr, um so viel Wasser anzustauen, daß auch bei der trockenen Jahreszeit die Befahrbarkeit der Ohre gewährleistet sein sollte. Die Herbsthochwasser machten es jedoch erforderlich diesen Stau wieder zu entfernen. Wieviel Arbeit und Mühe, aber auch wieviel Freude uns der Sport gemacht hat habe ich aufzuzeigen versucht. Es ist nur Schade, daß noch zu wenige junge Menschen sich entschließen können bei uns mitzumachen, und sich am Renn- oder Wandersport zu erfreuen, um Kraft zu sammeln, die große Aufgabe bei Neuaufbau unserer Heimat meistern zu können.

 

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